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habt ihr das eben auch gemerkt? – flash meditation in ratzeburg

Erstaunlich: Das Nichts-Machen bekommt eine eigene Konsistenz, die dem Lärm und dem Trubel drum herum in nichts nachsteht. Das Nichts-Machen wird zu einem „Etwas“.

Für den Pfingstsonntag Nachmittag habe ich via E-Mail ein paar Menschen zu einer „Flash Meditation“ eingeladen, mitten in der Feierstimmung des Gründungsfestes der Nordkirche in Ratzeburg. Die meditierenden Freunde und Bekannte (zwischen 30 und 40 Leute) haben sich zeitig beim verabredeten Treffpunkt eingefunden – und sind nervös. Im Nachbarpavillon tritt gerade eine Singgruppe auf die Bühne. Beim Zelt, wo wir gerade stehen, erzählt jemand noch was und eine größere Gruppe hört interessiert zu. Meine Mit-Meditierenden haben alle gute Vorschläge, wie wir gleich stehen sollten („Enger zusammen!“, „Nee, lieber mit etwas Luft!“), wie wir vorher für mehr Ruhe sorgen sollten („Kann mal jemand der Singgruppe dahinten sagen, dass sie kurz aufhören soll?“) oder fragen mich Sachen, auf die ich keine Antwort weiss. Und dann schlägt jemand plötzlich vor, mit dem Mikro eine Ansage zu machen und alle umstehenden ahnungslosen Leute zu der Aktion einzuladen. Und die Meditation zu Anfang etwas anzuleiten.

So war das aber nicht geplant. Jetzt werd ich aber mal nervös! Ich sage laut zu meinen Mit-Meditierenden, dass wir das einfach so machen sollen wie abgesprochen, und:

„Leute, das ist die Realität! Wenn ihr euch hin setzt zur Meditation, dann läuft die Welt weiter. Ihr merkt das nur nicht, weil ihr euch in eure geschützte Meditationsecke setzt oder in eure Krypta oder Kapelle oder euch in einem Meditationsraum abschirmt. Dieser Lärm und alles, was hier gerade ist, das ist aber die Realität!“

Es ist evident, dass unsere Aktion, die eigentlich auf die gute Arbeit im Bereich Spiritualität in der Nordkirche (Ansverus-Haus in Aumühle, Haus der Stille in Bellin u.v.m.) hinweisen soll, zu einer Lektion für die Meditierenden selbst wird: Wie ist Meditieren im öffentlichen Raum?

Und dann machen wir das. Und sind erstaunt darüber, dass unser Schweigen eine eigene Konsistenz bekommt, ganz gleichberechtigt neben dem „Lärm“. Dieses „Nichts-Machen“ ist nicht „Nichts“ sondern „Etwas“. Etwas kommt in die Welt durch unser Schweigen. Als unsere Flash Meditation beendet ist, ist es so als würden wir uns die Augen reiben ob eines angenehmen Gute-Laune-Gefühls. Unsere grinsenden Gesichter suchen in den Gesichtern der anderen zu lesen: „Habt ihr das eben auch gemerkt? Irgendwas Schönes ist eben passiert.“ Ja. Ach ja. Schön. – „Geht jemand mit mir Eis essen?“

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wir sind umgezogen

derzeit organisieren wir uns etwas anders und verständigen uns eher via FB. daher gibt es hier erst einmal keine aktualisierungen. umgezogen sind wir auch in anderer hinsicht: wir haben uns in den meditationsraum bei der christchurch in eimsbush verliebt …

zum bloggen gehört auch das nicht-bloggen

Sorry! Nach dem Sommer gab es bereits einige Treffen und ich hab’s einfach nicht geschafft, die Termine hier zu vermerken und auch der Kommentar zur “Wolke des Nichtwissens” wurde vernachlässigt. Egal.

Inzwischen sind weitere Freunde mit beim Sitzen gewesen. Das war schön. Wichtig ist mir immer dabei, dass dies hier nicht zu einer Gruppe wird, sondern dass Freunde und Bekannte sich einfach zum Meditieren verabreden. Bei “Gruppe” hat man ja doch leicht so ein Gefühl von Verpflichtung. Klar gehört Disziplin zu einem spirituellen Weg, aber in diesem Fall: Nö!

(Vielleicht ist es so: Disziplin braucht man, um “durchzuhalten” und etwas zu tun, auch wenn man keine Lust hat. Da wir aber alle gerade einfach Lust darauf haben, uns zum Meditieren zu verabreden, brauchen wir im Moment kein Pflichtgefühl. Kann zu anderen Zeiten aber auch wieder anders sein.)

Das nächste Treffen ist am 27. September um 17.45 im Ansverus-Haus. Da ist eine Lücke von einem Monat, weil einige von uns unterwegs sind. Allerdings hat sich in den Sommermonaten oft auch mal spontan ein Treffen ergeben. Mal schauen.

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es geht gar nicht um “gott”

Im neunten Kapitel fährt der Autor der “Wolke des Nichtwissens” fort, die Übenden davon zu überzeugen, dass jeder Gedanke, selbst Bilder geistlicher Natur, abzuweisen sind, wenn man sich auf die Kontemplation einlassen will. Ich weiss nicht, wann der anonyme Autor zum ersten Mal die Formulierung “Werk der blinden Liebe” für die Übung der Kontemplation verwendet. Vielleicht helfen diese Bildworte von einer “blinden Liebe” oder einer “heimlichen Liebe” oder die Rede vom “blinden Liebesverlangen”, die mir beim Lesen heute besonders auffielen, auch einmal ausserhalb unserer formalen Meditationszeiten die Dimension der “dunklen Wolke” zu entdecken. (Ich habe jetzt einmal unterstellt, dass wir “Die Wolke des Nichtwissens” auf unsere Meditationspraxis beziehen, oder zumindest als Bilder im Kopf so etwas haben wie “sich auf’s Meditationsbänkchen setzen und den Wecker stellen, 2 x 25 Minuten” o.ä.)

Es gibt in der Mühe des Alltags nämlich genügend Situationen, in denen man sich zu der “heimlichen Liebe” oder zur dunklen Wolke des Nichtwissens wenden kann. Es sind jene Momente der Anstrengung, in denen man sich fragt: “Warum mache ich das hier eigentlich?” Oder wo man in einer Warteschlange steht und eigentlich die nächste S-Bahn “unbedingt” erwischen muss. Wendete man sich dann innerlich zur dunklen Wolke des Nichtwissens, wird auch die Frau an der Kasse eine faire Chance bekommen, von uns nicht angeblafft zu werden. Ja, ich verstehe hier die innerliche Hinwendung zum Nichtiwissen als ein Loslassen unserer fertigen Gedankenkonzepte, z.b. unser Urteil über die Frau an der Kasse und denanderen Menschen vor und hinter mir in der Warteschlange.

Ich gebe zu, dass ich Schwierigkeiten damit habe, immer wieder zu betonen, dass sich von allem abzuwenden, um zu Gott zu schauen. Die Unterscheidung zwischen Gott und “allem anderen” ist einfach problematisch in der Dimension des Seins. Deshalb halte ich es für hilfreicher, das Nichtwissen hervorzuheben. Es geht, so vermute ich, nämlich gar nicht um Gott. Es geht jedenfalls nicht um den Gott, von dem wir fertige Konzepte im Kopf (und in unserer Tradition etc.) haben, sondern um den Gott, den wir nicht kennen, den wir nicht oder noch nicht wissen.

Deswegen erscheint mir ein kleiner, kurzer Satz in diesem neuten Kapitel als der eigentliche Schatz dieses Abschnitts:

“… deshalb richte deine Liebe auf diese Wolke …” (Kapitel 9, S. 53f.)

Es hätte ja auch heissen können: “richte deine Liebe auf Gott”. Aber so heisst es nicht. Der Anhaltspunkt gewissermassen, der den Übenden anzeigt, in welche Richtung sie schauen sollen ist nicht markiert mit dem Hinweisschild “Gott”, sondern mit dem Hinweisschild “dunkle Wolke” oder in anderen Worten “Nichtwissen”. Wir können Gott nämlich gar nicht wissen. Und unser Blick in die dunkle Wolke gibt Gott die Freiheit, der zu sein, der er ist, ohne unsere Konzepte. Es heisst:

“Sei überzeugt davon, dass der Mensch niemals eine völlige Gotteserkenntnis auf Erden erzielen kann: eine Gotteserfahrung jedoch ist durch Gnade, sofern Gott sie gewährt, möglich.” (Kapitel 9, S. 53)

Allerdings – und das würde mich sehr interessieren, was der anonyme Autor dazu sagen würde – trifft diese Aussage nicht nur auf Gott zu. Eigentlich gilt das für alles andere dieser Welt auch: Wir können kein einziges Ding vollständig erkennen. Wir können nicht mal eine Ameise völlig verstehen, wir können nur erfahren, wie sie auf unserem Bein krabbelt oder ihre Winzigkeit von aussen anschauen. Wir können ihr begegnen, wenn wir auf das Nichtwissen schauen, anstatt unsere fertigen Konzepte von “Ameise” ins Spiel zu bringen (Ungeziefer!) und sie einfach platt zu drücken

[Notizen zur Wolke des Nichtwissens, Kapiel 9]

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duz-freunde und sitz-freunde

Ende August gab es ein kleines Treffen bei uns im (Ansverus-)Haus: Menschen aus Norddeutschland, die in einem Exerzitienhaus in Oberfranken das kontemplative Gebet kennen gelernt haben und dort auch immer wieder hinfahren, um es zu üben. Es gab ein leckeres Picknick und wir haben uns viel voneinander erzählt. Neueste Neuigkeiten aus dem besagten oberfränkischen Haus kamen auch nicht zu kurz und die Meditationszeit dehnten wir dann auch einfach mal aus. Kurzum: Einen Zeitplan hätten wir uns einfach sparen können.

Ich glaube, so sind aus vereinzelten Menschen, die für sich selbst das kontemplative Gebet zu pflegen versuchen, Duz- und Sitz-Freunde geworden. Wir haben ausgemacht, dass wir uns gut vorstellen können, uns zweimal im Jahr zu treffen und lose über E-Mail in Kontakt zu bleiben. Diese intensive Begegnung mit anderen Meditierern ist in diesen nachfolgenden Wochen eine schöne Ermutigung und Inspiration.

Nach diesem Treffen, von dem wir noch zehren, haben F.S. und ich dann auch neue Termine gefunden, bei denen wir uns zum Üben der Sitz-Meditation treffen. Guckt mal oben, unter Leiste “termine”.

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das subversive element der mystik nicht verlieren

Gestern sprach ich mit hauptamtlichen Menschen, die dafür Sorge tragen, dass in einer evangelischen Landeskirche spirituelles Leben und der Weg der Meditation weitergebracht wird. Mir ist da aufgegangen, dass eben gerade die Schwierigkeiten in und mit den Strukturen so einer grossen “Organisation” wie (Landes-)Kirche daran erinnern können: Konkrete Wege der Kontemplation sind noch nie “Hauptgeschäft” von organisierter Kirche gewesen. Das subversive Element von Mystik darf sich eigentlich nicht in einer organisatorischen Struktur verflüchtigen!

Auch in der katholischen Kirche ist es ja nicht so, dass von ihrer Struktur her, ein kontemplativer Weg besonders gefördert würde. Es sind – derzeit noch – einige Ordensgemeinschaften, die Träger der kontemplativen Tradition sind. (Das ist auch der Unterschied zum evangelischen Kontext: Da gibt es eben kaum geistliche Gemeinschaften, die diese Aufgabe übernehmen.)

(Übrigens sagte ich oben: es seien “derzeit noch” Ordensgemeinschaft, die die Träger kontemplativer Tradition seien, sie haben mit ihren Klöstern auch einen Ort, wo dieser Weg einen Lebensraum und auch einen “Lern-Raum” findet. Aber meine Ahnung ist ja, dass dieses Charisma in nächster Zeit auf die Laien übergehen wird, die jetzt schon Kompetenzen in diesem Bereich erwerben.)

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slow (motion) food

Wenn man auch ab und zu sein formales Sitzen-Üben versäumt, so gibt es doch auch hier und da Möglichkeiten – man muss erfinderisch sein – um zur Praxis der Aufmerksamkeit für das, was ist, zu kommen.

Ich habe in den letzten zwei Wochen öfter mal alleine essen müssen. Wenn man allein lebt, kann es ja leicht passieren, dass man anfängt Essen für einen lästigen Vorgang zu halten. Ja, die Arbeit mag einen ablenken und gedanklich stark gefangen nehmen, aber kommt es zum Essen bemerkt der Wohnzimmer-Eremit die Leere und Langeweile. Besässe er einen Fernseher, würde er ihn zum Essen einschalten wollen.

Ein Vorschlag (für’s alleine Essen):

  • Das Essen so beginnen wie man sein Sitzen-Üben beginnt (einige gehen ihren Körper durch, manche berühren mit ihrer Stirn den Boden etc.) und dann für einige wirklich wenige aber intensive Atemzüge am Esstisch sitzen (was immer ihr beim Sitzen-Üben macht: euer Gebetswort sagen, den Namen Jesu beten, dem Atem folgen etc.).
  • Und dann Essen. Genauer: beim Kauen bleiben. Die Funktion, die der Atem bei eurem Sitzen-Üben hat, übernimmt hier die Kaubewegung. Als Konzentrationshilfe kann man zählen: zehnmal kauen, neunmal kauen, achtmal kauen, siebenmal kauen etc. bis ihr schluckt. Beim nächsten Mundvoll geht es wieder los: bis 10 zählen, dann bis 9 zählen, dann bis 8, bis 7 etc.
  • Das Essen so beenden wie ihr euer Sitzen-Üben beendet.

Für mich war das wirklich wichtig, auf diese Weise essen zu üben. Zuerst war es eine Massnahme, um dem Essen wieder seinen eigenen Wert zu geben, inzwischen kann ich es mir anders gar nicht mehr vorstellen.

Vielleicht helfen auch die “Fünf Betrachtungen vor dem Essen” (in der Tradition von Thich Nhat Hanh):

  • Diese Nahrung ist ein Geschenk des ganzen Universums und das Ergebnis von viel Liebe und Mühe.
  • Mögen wir dieses Geschenk in Achtsamkeit und Dankbarkeit empfangen.
  • Mögen wir uns unserer unheilsamen Geisteszustände (wie zum Beispiel Gier, Ablehnung, Ärger, Angst…) bewusst sein und uns bemühen, sie zu transformieren.
  • Mögen wir nur solche Nahrung zu uns nehmen, die uns nährt und unserer Gesundheit förderlich ist.
  • Wir nehmen diese Nahrung an, so dass wir den Pfad des Verstehens und der Liebe verwirklichen können.

Obwohl sie gedacht sind als Rezitation vor dem Essen, könnte doch auch nach jeder Betrachtung ein Mundvoll gekaut und gegessen werden, um so sein Essen rituell zu beginnen.

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was demnächst auf dem gebetshocker geschieht

Ich finde das sehr ermutigend, wenn via Kommentar jemand Nettes sagt, dass er gespannt sei, was auf diesem Blog noch so passieren wird. Allerdings ist ja doch wohl eher die Frage, was denn so auf dem Gebetshocker passiert. Denn sonst gibt’s hier ja nichts zu berichten. Logisch. Aber auch wenn nichts passiert, kann man ja mal was schreiben. Also: Es ist unglaublich schwierig für mich, die ausgemachten Termine einzuhalten. Aber wir bleiben dran. Das ist der Anfang. Ohne diese Mühe kann es ja auch sonst nicht weiter gehen. Diese Mühe ist Bestandteil der Praxis.

Und das andere – die Frage nach Gemeinschafts- oder Einzel-Sitzer vom letzten Eintrag – werde ich auch noch einmal weiter reflektieren.

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warum gibt es keine breite kontemplative laienbewegung?

Warum ist man eigentlich als in einer kontemplativen Praxis Engagierte/r eher ein Einzelner? So ist jedenfalls meine Wahrnehmung: Dass sich kontemplative Laien zu einer Gruppe zusammenfinden, die ein gewisses Mass an Verbindlichkeit hat, ist doch eher selten. Und mit diesem “gewissen Mass” meine ich, dass man auch ein Stück seines Alltags miteinander teilt – über ein wöchentliches Treffen zum gemeinsamen Sitzen hinaus. Die Leute wären dann miteinander befreundet.

Meistens ist es aber wohl so, dass solche Menschen kirchlich eingebunden sein mögen und vielleicht dann zusätzlich irgendwo einen Ort haben, wo man sich zur Sitz-Meditation trifft, oder so jemand macht das ganz allein für sich.

Vielleicht erfährt so jemand dann kontemplative Exerzitien in einem spirituellen Übungszentrum so intensiv, weil für die Zeit des Übens – ein Wochenende oder mehrere Tage – so etwas wie Gemeinschaft entsteht, eine Gemeinschaft von kontemplativen Laien. Wieder zu Hause ist man aber wieder vereinzelt und zerstreut.

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