[urban contemplatives]

Icon

kontemplation ausserhalb von klostermauern, kontemplatives gebet auf freier wildbahn

einseitigkeiten in spiritueller praxis

Es gibt immer wieder einen Zweifel in mir in Bezug auf Tendenzen spiritueller Praxis, die zu konsequenten Entscheidungen aufzufordern scheinen. Dazu gehören alle asketischen Verzichtübungen (auf Speisen bezogen, auf Sexualität bezogen etc.), aber es gibt auch im Bereich der Methode “kontemplativen Gebets” oder der Meditation so etwas.

Der Autor der “Wolke des Nichtwissens” zum Beispiel erklärt das zur Grundübung: “zu Gott hin schauen mit Liebe – alles andere vergessen”. Im achten Kapitel wird dann die Frage diskutiert, aus welchem Grund auch solche Gedanken vergessen und weggeschoben werden sollen, die “fromme” und geistliche Bilder zum Gegenstand haben.

Das durchschlagende Argument ist für mich, dass so “gut” die Gedanken und Bilder auch sein mögen, sie in der Gemengenlage unserer Gefühle und geistigen Gebilde nie eindeutig sind, und man sie deswegen einfach nie beachten sollte. Dabei erwähnt der anonyme Autor dieses Argument eher am Rande.

Für ihn scheint eine Darstellung von verschiedenen Stufen geistlichen Lebens wichtiger zu sein. (Es müsste noch diskutiert werden, wie die Darlegung hier mit dem im ersten Kapitel vorgestellten Modell zusammenhängt.) Hier sagt er, dass es nach kichlicher Lehre zwei Arten des geistlichen Lebens gäbe, die aktive und die kontemplative Form. Beide Formen hätten zwei Stufen, eine niedrigere und eine höhere, wobei die höhere Stufe des aktiven Lebens und die niedrigere des kontemplativen Lebens eine Schnittmenge bilden. (Letztlich kommt man also auf drei Stufen.) Der anonyme Lehrer sagt nun, dass es für den Übergang in die nächste Stufe immer nötig sei, die vorangegangene Stufe zu “überwinden” und “hinter sich zu lassen”. Das ist für ihn der Grund weswegen man diskursiv-reflexive Gedanken unterlassen soll – diese gehören nach seiner Auskunft nämlich zur Stufe der Schnittmenge zwischen aktiven und kontemplativen Leben.

Hier hätten wir also wieder den von mir angezweifelten “typischen” Aufruf, konsequente Entscheidungen zu treffen. Dabei blitzt einmal ein sehr bemerkenswerter Gedanke von gegenseitiger Ergänzung und Notwendigkeit von aktiver und kontemplativer Lebensform in einem Satz auf:

“Diese zwei Lebensarten [der aktiven und der kontemplativen Form] sind nun miteinander so verbunden, dass keine ohne teilweise Berührung der anderen völlig erreicht werden kann.” (Kapitel 8, S. 50)

Könnte man sich denn nicht ein ganz anderes Modell vorstellen, in welchem das aktive und das kontemplative Leben parallel gesetzt wird – so dass eine “Meisterschaft” in der einen Lebensweise nur durch eine gleichzeitige “Meisterschaft” in der anderen Disziplin erreicht werden kann? – Hier ist ein notwendiger Dialog zwischen unserem “psychologischen” Wissen, aus dem 20. Jahrhundert kommend, mit der alten Tradition spiritueller Lehre erforderlich!

[Notizen zur Wolke des Nichtwissens, Kapiel 8]

Eingetragen unter:kontemplativ, wolke des nichtwissens , , , , ,

nächstes treffen

Nächstes Treffen ist am 27. Februar 2010 (Sonntag) 17.00-18.00 Uhr im Ansverus-Haus, Aumühle.

Eine Auflistung der Termine findet man hier.

lektüre der “wolke des nichtwissens”

Wöchentlich gibt es hier Einträge und Notizen zur "Wolke des Nichtwissens" ("The Cloud of Unknowing") - als Ermutigung, das Buch selbst einmal in die Hand zu nehmen und zu lesen.

about

Im Kontext des Alltags eine kontemplative Praxis pflegen - die Mitglieder der Gruppe [urban contemplatives], derzeit aus vier Personen bestehend, möchten sich gegenseitig darin unterstützen, was alleine nur mit grosser Mühe gelingt. Dazu treffen wir uns grob zweimal im Monat im Hamburger Raum zu kontemplativer Praxis (vornehmlich Sitz-Meditation). Die Idee ist, dass die Orte, wo wir uns treffen wechseln. Allerdings dient die Krypta des Ansverus-Hauses (Aumühle) vorerst als Basis.

Die Mitglieder der Gruppe haben ihre kontemplative Praxis aus verschiedenen Traditionen vermittelt bekommen, d.h. wir haben keine einheitliche "Methode".

Kontakt Frank:
frank.schirmer.hamburg[at]web.de
Kontakt Yotin:
beisasse[at]gmail.com

 

März 2009
S M D M D F S
« Feb   Apr »
1234567
891011121314
15161718192021
22232425262728
293031