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den augenblick in acht nehmen

[Notizen zu "Die Wolke des Nichtwissens", Kapitel 4]

Das vierte Kapitel der „Wolke des Nichtwissens“ ist ziemlich lang. Ich möchte trotzdem versuchen, das ganze Kapitel in den Blick zu nehmen. Zwei Stichworte gilt es zu nennen: Zeit und Liebe.

Beachtenswert finde ich die Wiederholung, dass die Übung („auf Gott schauen“) so kurz ist wie die kleinste Einheit der Zeit. Sie kann durch eine Regung im kleinsten Augenblick vollbracht werden. Allerdings kann dies nicht durch die Anstrengung des Verstandes oder der Vorstellungskraft gelingen. Nur Liebe kann das tun.

Der unbekannte Autor erläutert, dass alle vernunftbegabten Geschöpfe zwei Hauptwirkkräfte hätten, einmal die (1)  Erkenntniskraft und dann die (2) liebende Kraft. Für das Erkenntnisvermögen sei Gott überhaupt nicht fasslich. Das Vermögen, mit dem Gott aber jedem (!) Menschen „völlig fasslich“ werden kann, ist die liebende Kraft. Man kann es so sagen: Jeder Mensch kann Gott „erkennen“ oder „sehen“, und zwar durch Liebe.

„Denn, richtig verstanden, ist es [die Übung] bloss eine plötzliche Regung, die gleichsam unversehens schnell zu Gott überspringt, wie ein Funke aus der Kohlenglut schiesst.“

Dies ist der grundlegende Punkt des vierten Kapitels.

Was mir sonst noch aufgefallen ist:

(a) Der anonyme Autor ist der Meinung, dass nur Gott das Verlangen „aller Menschen und aller Engel, die es je geben mag, zu stillen“ vermöge. Woher weiss er das? Und woher will er wissen, dass das einmal gelingt: dass unser Verlangen zur Ruhe kommt?

(b) Das Werk, die Übung („auf Gott schauen“) versteht der Autor letztlich als Tätigkeit des Menschen in seinem Urzustand. Bevor der Mensch sich für den Baum der Erkenntnis interessierte, tat er nur das: auf Gott schauen. Und dies sei auch das Werk, für das er geschaffen wurde und alles andere wurde auch geschaffen, um dem Menschen dabei zu helfen und. In dem Masse, in welchem man sich dieser Übung anvertraut, wird auch wieder dieser Urzustand hergestellt. – Wofür sind wir hier auf der Erde?

(c) Das Thema der Zeit hat in diesem Kapitel – und das liess ich unerwähnt – eigentlich auch noch den Geschmack von Erschrecken darüber, wie kostbar sie ist und wieviel Reue das auslöst: Wieviel Zeit man schon verschwendet hat in seinem Leben! Es ist dann ein Trost, wenn der Autor diesem erschreckten Bedauern entgegensetzt, dass „in der Liebe Jesu“ alle Hilfe zu finden sei. „Die Liebe ist eine Kraft, die alle Dinge miteinander vereint. Liebe daher Jesus, und alles was Er hat, wird dein sein. (…) kraft dieses Bandes wirst du mit Ihm verbunden sein und mit all denen, die durch die Liebe ebenso mit Ihm verknüpft sind.“ So findet hier das Thema der Liebe auch noch den Aspekt der Gemeinschaft und des Verbundenseins mit allen Dingen – durch Liebe. (Letztes Mal fragte ich: Ist das nicht fragwürdig „nur auf Gott schauen und alles andere vergessen“? Und hier wird gesagt: Wenn du [Gott] liebst, bist du mit allem verbunden.)

(d) Übrigens kann man einige weitere Vermutungen über einen konkreten Adressaten anstellen: Es gibt eine Passage, aus der deutlich wird, dass er ein vierundzwanzigjähriger Mensch ist, der Skrupel darüber emfpindet, dass er bis jetzt nicht viel Acht auf sein Leben gegeben hat und dies dem Autoren der „Wolke des Nichtwissens“ geschrieben hat und ihn um Rat bittet.

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