Gestern hörte ich ein Referat zur (theologisch-) systematischen Einordnung von Kontemplation, die – wohl einer mündlichen Unterweisung von Franz Jalics folgend – als „Niemandsland“ bezeichnet wurde. Ein Niemandsland zwischen dem Bereich, in welchem der Mensch sein Eigenes tun kann, um sich zum Göttlichen zu wenden, und dem anderen Bereich, der vollkommen unabhängig ist von dem, was Menschen tun können.
Immer mehr verstehe ich, wie wenig zutreffend es ist, von „kontemplativen Gebet“ zu sprechen, denn Kontemplation ist eben ein „Niemandsland“, in welchem überhaupt nichts greift, was der Mensch von sich aus tun kann. Und so muss alle Methode bloss eine Vorübung sein, um sich diesem Niemandsland anzunähern. Aber niemals erreicht man es durch die Übung. Dass man dort da ankommt, geschieht von woanders her.
Trotzdem kann man eine Übung schildern und dazu anleiten. Dies geschieht z.B. im siebten Kapitel der Wolke des Nichtwissens. Dort wird wiederholt, worin die Übung besteht (im dritten Kapitel wurde dies schon gesagt): „… erhebe dein Herz zu Gott mit einer demütigen Regung der Liebe. Habe nur Gott im Sinn … und lasse keine anderen Gedanken über Gott bei dir ein … denn es genügt vollauf ein nacktes Verlangen nach Gott ohnen einen anderen Grund als Ihn selbst.“ (Kapitel 7, S. 47)
Dabei wird durch Beispiele deutlich, dass bei dieser „Erhebung des Herzens zu Gott“ auch alle Bilder und Geschichten über Gott bloss Ablenkungen sind, die man von sich weisen soll. Man soll sich nicht mit „Geschwätz“ über Gottes Eigenschaften, d.h. seine Güte und seine Heilstaten oder auch nicht mit dem Gedenken an das Leiden Christi aufhalten. Ein nacktes Verlangen nach Gott reiche ja vollauf. Aber wie kann man bei diesem „nackten Verlangen“ dran bleiben?
Als „Trick“, wenn man das Bedürfnis hat, dieses nackte Verlangen in ein Wort kleiden zu wollen, könne man ein kurzes Wort zu Hilfe nehmen. Es soll am besten aus einer Silbe bestehen wie z.B. „Gott“ (God) oder „Liebe“ („love“). Dieses Wort soll für den Übenden „Schild und Speer“ sein, womit seine Doppelfunktion angesprochen ist.
Als Schild, als Schutz dient das Wort dazu, Gedankenbilder, die aufsteigen, abzuweisen. Das kurze Gebetswort dient hier als Wächter, als eine Art Türsteher, der die Leute alle nach Hause schicken muss und seien die Gedanken und Bilder noch so schön oder trostspendend oder fromm und theologisch gelehrt. Er verwickelt sich nicht in Diskussionen, sondern ist da sehr einsilbig.
Als Speer dient das Gebetswort dazu, in die Richtung des Verlangens zu stossen: zu Gott hin. Das Wort ist in dieser Funktion wie ein Liebender, der nur ein einziges Wort kennt, um die geliebte Person zu nennen. Dieses Wort, dieser Name kann alles ausdrücken: Verlangen und Erfüllung, Ekstase und Verlassenheit, heftige Leidenschaft oder schweigendes Zusammensein der Liebenden.
[Notizen zur "Wolke des Nichtwissens", Kapitel 7]
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