[urban contemplatives]

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kontemplation ausserhalb von klostermauern, kontemplatives gebet auf freier wildbahn

er verlangt keine hilfe, nur dich selbst

[Notizen zu "Die Wolke des Nichtwissens", Kapitel 1 und 2]

Nach Ansicht des anonymen Autors gibt es vier Stufen und Formen christlichen Lebens:

  • 1. gewöhnlich („Commoun“)
  • 2. speziell („Special“)
  • 3. erwählt („Singuler“)
  • 4. vollkommen („Parfite“)

Gleichzeitig scheint in diesem Kapitel durch, dass die „Wolke des Nichtwissens“ auch einen konkreten Adressaten im Blick hat, der die „Reihenfolge“ der genannten Lebensformen durchläuft: von einem einfachen Christen, der dann in den nicht näher bestimmten „speziellen Stand“ eintritt. Derzeit – einen Schritt weiter – lebt er  zurückgezogen, womit die „erwählt“ genannte Stufe bzw. Form charakterisiert ist.

Meine Frage ist hier, ob dadurch nicht die Andeutung im Prolog, es gäbe auch im aktiven Leben stehende Menschen, die „dann und wann“ Erfahrung der Kontemplation machen, relativiert wird. Denn es wird nun gesagt, dass es die zurückgezogene Lebensform des Adressaten ist, die ihn der letzten „vollkommenen“ Lebensform zuführt.

In dieser eremitischen Lebensform geht es darum, durch den Ruf Gottes zur Sehnsucht bewegt zu werden, der einen dazu auserwählte „einer Seiner engsten Freunde“ zu sein. Es ist die Sehnsucht (nicht die asketische Übung, nicht stundenlanges Meditieren etc.), die einen von der erwählten zur vollkommenen Lebensform führt.

„Diese Sehnsucht muss immer in deinem Willen durch die Hand des allmächtigen Gottes und mit deiner Einwilligung entfacht werden. Aber eines sage ich dir: Er ist ein eifersüchtiger Liebhaber und duldet niemand neben sich, auch will Er nur, wenn Er ganz allein mit dir ist, in deinem Willen wirken. Er verlangt keine Hilfe, nur dich selbst. Er will, dass du nur auf Ihn schaust und Ihn bloss gewähren lässest.“ (Kapitel 2, S. 35)

Man beachte hierbei folgende Punkte:

Erstens: Es geht hier um ein Tun Gottes. Der Mensch kann nichts dazu beisteuern ausser seine Einwilligung zu geben (oder auch nicht). Die Sehnsucht entsteht durch Gott und durch die menschliche Einwilligung.

Zweitens: Mit dem Attribut des eifersüchtigen Liebhabers ist zweierlei angesprochen: Zunächst, dass Gott ausschliesschlich gemeint sein will („Schaue nun vorwärts und lass fahren, was hinter dir liegt.“), und dann, dass die zurückgezogene Lebensform eigentlich erst eine Intimität zwischen dem Schüler und Gott ermöglicht: „nur, wenn Er ganz allein mit dir ist, [will Gott] in deinem Willen wirken“.

Drittens: Es wird ausdrücklich gesagt, dass Gott keine Hilfe verlange. Die eben genannte Einwilligung des Menschen kann aktiv verstanden werden als die Übung, nur Gott anzuschauen und ihn machen zu lassen, oder als Übung das eigene menschliche Eingreifen zu unterlassen.

Zum „eifersüchtigen Liebhaber“: Bei dieser asketischen Grundhaltung im Sinne von Verzicht auf alles, was nicht Gott ist, ist mir nicht klar, was ihr innerer Grund ist. Warum ist Gottsuche – auch in anderen Kulturen – immer mit Askese verknüpft?

Soweit meine Notizen zu den ersten beiden Kapiteln. Ich möchte noch einmal hinweisen, dass ich nicht den Anspruch erhebe, in diesen Notizen die „Wolke des Nichtwissens“ normativ zu interpretieren. Es ist bloss eine Hilfe, um mehr Klarheit zu gewinnen über die Aussagen dieses Textes.

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