[urban contemplatives]

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kontemplation ausserhalb von klostermauern, kontemplatives gebet auf freier wildbahn

licht aus!

[Notizen zu "Die Wolke des Nichtwissens, Kapitel 3]

„Er verlangt keine Hilfe, nur dich selbst.“ – so hiess es im zweiten Kapitel. Aber wie geht das? Im dritten Kapitel der „Wolke des Nichtwissens“ wird gesagt: Schau mit Liebe nur in die Richtung Gottes und vergiss alles andere. Nichts weiter.

Und das soll die einzige Übung für Kontemplative sein? Bedenkt man, wieviel man einsetzt, um mal einen ganz bestimmten Lehrer zu erleben oder einen ganz besonderen Ort aufzusuchen, um auf seinem spirituellen Weg „weiterzukommen“, und bedenkt man, wieviele verschiedene Methoden und Übungswege man schon durchprobiert hat, die einen bislang nie befriedigt haben, ist dieser Ratschlag – auf Gott schauen, alles andere vergessen – richtig langweilig.

Und gerade von diesem „Werk“ sagt der unbekannte Autor, dass es Gott am meisten gefalle, dass alle Engel und Heiligen sich daran freuten und es förderten. Ja, allen Menschen werde durch dieses Werk geholfen, und gar den Verstorbenen verschaffe es Linderung im Läuterungsfeuer. Man selbst werde durch dieses Werk gereinigt und geläutert wie durch kein anderes.

Und nun sagt der anonyme Autor selbst: „Dabei ist es von allen das leichteste und am schnellsten zu vollbringende Werk, wenn durch Gnade in der Seele ein spürbares Verlangen entsteht; ohne Gnade freilich ist es für dich zu hart und zu schwer.“

Es ist eine leichte Übung – und deshalb eignet es sich nicht als Trophäe für unsere stolze Sammlung an spirituellen Übungen und Methoden. Es ist eine schnell zu vollbringende Übung – und deshalb können wir da auch nicht mit Mühen und Zeiten aufwarten („Ich meditiere schon seit 20 Jahren.“, „Die Schweige-Retraite dauerte ganze zehn Tage.“ etc.). Allerdings ist der Grund für die „Leichtigkeit“ dieses Werkes ein „spürbares Verlangen“, das dem Schüler geschenkt wird. Die Ermunterung ist: Solange du das Verlangen nicht spürst, wird es mühsam sein, aber bleib trotzdem dran, bis sich die Mühe in ein spürbares Verlangen verwandelt.

„Zu Gott hin schauen, alles andere vergessen.“ – Ich habe da auch meine Bedenken. Denn man macht dadurch eine Unterscheidung. Als ob es irgendetwas gäbe, was nicht Gott ist! Oder zumindest aus Gott oder in Gott. Es ist wichtig zu verstehen, dass die Blickrichtung auf Gott hin kein schon sicherer Blick ist. Man sollte niemals davon überzeugt sein, dass man wisse, wer Gott ist und wie Gott ist und wie Gott handelt. Deshalb wird auch formuliert: „meine Gott selbst und keine Seiner Eigenschaften“. Fragt sich, was da noch übrig bleibt, wenn man sich bemüht auf Gott selbst zu schauen und nicht darauf wie er ist („seine Eigenschaften“), was für Geschichten es von ihm gibt, wie ich bislang gemeint habe, ihn zu erfahren usw. usf. Und so fällt dann auch zum ersten Mal das Bildwort von der „Wolke des Nichtwissens“, die hier als Dunkelheit verstanden wird, die immer (?) zwischen dem Schöpfer und dem Geschöpf steht. Lassen wir das doch auch einmal so stehen, ziehen wir nicht voreilig das Kaninchen der Inkarnation aus dem Zauberhut oder lasst uns nicht gleich dem (Bibel-)Papiergötzen ein Opfer darbringen (Erstickung durch Staub in der Lunge).

„Mache dich deshalb bereit, in dieser Dunkelheit solange wie möglich zu verweilen und immerfort nach dem, den zu liebst, zu rufen.“

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er verlangt keine hilfe, nur dich selbst

[Notizen zu "Die Wolke des Nichtwissens", Kapitel 1 und 2]

Nach Ansicht des anonymen Autors gibt es vier Stufen und Formen christlichen Lebens:

  • 1. gewöhnlich („Commoun“)
  • 2. speziell („Special“)
  • 3. erwählt („Singuler“)
  • 4. vollkommen („Parfite“)

Gleichzeitig scheint in diesem Kapitel durch, dass die „Wolke des Nichtwissens“ auch einen konkreten Adressaten im Blick hat, der die „Reihenfolge“ der genannten Lebensformen durchläuft: von einem einfachen Christen, der dann in den nicht näher bestimmten „speziellen Stand“ eintritt. Derzeit – einen Schritt weiter – lebt er  zurückgezogen, womit die „erwählt“ genannte Stufe bzw. Form charakterisiert ist.

Meine Frage ist hier, ob dadurch nicht die Andeutung im Prolog, es gäbe auch im aktiven Leben stehende Menschen, die „dann und wann“ Erfahrung der Kontemplation machen, relativiert wird. Denn es wird nun gesagt, dass es die zurückgezogene Lebensform des Adressaten ist, die ihn der letzten „vollkommenen“ Lebensform zuführt.

In dieser eremitischen Lebensform geht es darum, durch den Ruf Gottes zur Sehnsucht bewegt zu werden, der einen dazu auserwählte „einer Seiner engsten Freunde“ zu sein. Es ist die Sehnsucht (nicht die asketische Übung, nicht stundenlanges Meditieren etc.), die einen von der erwählten zur vollkommenen Lebensform führt.

„Diese Sehnsucht muss immer in deinem Willen durch die Hand des allmächtigen Gottes und mit deiner Einwilligung entfacht werden. Aber eines sage ich dir: Er ist ein eifersüchtiger Liebhaber und duldet niemand neben sich, auch will Er nur, wenn Er ganz allein mit dir ist, in deinem Willen wirken. Er verlangt keine Hilfe, nur dich selbst. Er will, dass du nur auf Ihn schaust und Ihn bloss gewähren lässest.“ (Kapitel 2, S. 35)

Man beachte hierbei folgende Punkte:

Erstens: Es geht hier um ein Tun Gottes. Der Mensch kann nichts dazu beisteuern ausser seine Einwilligung zu geben (oder auch nicht). Die Sehnsucht entsteht durch Gott und durch die menschliche Einwilligung.

Zweitens: Mit dem Attribut des eifersüchtigen Liebhabers ist zweierlei angesprochen: Zunächst, dass Gott ausschliesschlich gemeint sein will („Schaue nun vorwärts und lass fahren, was hinter dir liegt.“), und dann, dass die zurückgezogene Lebensform eigentlich erst eine Intimität zwischen dem Schüler und Gott ermöglicht: „nur, wenn Er ganz allein mit dir ist, [will Gott] in deinem Willen wirken“.

Drittens: Es wird ausdrücklich gesagt, dass Gott keine Hilfe verlange. Die eben genannte Einwilligung des Menschen kann aktiv verstanden werden als die Übung, nur Gott anzuschauen und ihn machen zu lassen, oder als Übung das eigene menschliche Eingreifen zu unterlassen.

Zum „eifersüchtigen Liebhaber“: Bei dieser asketischen Grundhaltung im Sinne von Verzicht auf alles, was nicht Gott ist, ist mir nicht klar, was ihr innerer Grund ist. Warum ist Gottsuche – auch in anderen Kulturen – immer mit Askese verknüpft?

Soweit meine Notizen zu den ersten beiden Kapiteln. Ich möchte noch einmal hinweisen, dass ich nicht den Anspruch erhebe, in diesen Notizen die „Wolke des Nichtwissens“ normativ zu interpretieren. Es ist bloss eine Hilfe, um mehr Klarheit zu gewinnen über die Aussagen dieses Textes.

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uneigentliche kontemplative

[Notizen zu  "Die Wolke des Nichtwissens", Prolog]

Die „Wolke des Nichtwissens“ („The Cloud of Unknowing“) beginnt mit einem Gebet und einem Prolog. Man könnte am Ende der Lektüre einmal schauen, wieweit das Gebet die Darlegungen des gesamten Buches zusammenfasst. Für’s erste sehen wir, wie der unbekannte Autor von Gott die Gabe erbittet, ihn (Gott) vollkommen lieben und würdig preisen zu können. Dies ist seine Gebetsintention. Ist das auch die Zielrichtung seiner Darlegungen zur Kontemplation? Gott zu lieben und immer mehr in die Haltung des Preisens zu kommen? – Ja, was ist die Intention, wenn man die „Wolke des Nichtwissens“ aufschlägt? Soll das ein weiterer Versuch sein, spirituell „weiter zu kommen“? Oder (neue? intensivere?) aussergewöhnliche Transzendenzerfahrungen machen zu können?

Da der anonyme Autor solche Gesinnung fürchtet, richtet er sich im Prolog persönlich an den Leser, und bittet ihn, das Buch und seinen Inhalt zu schützen. Nicht jeder soll das Buch zu Gesicht bekommen. Aber für wen ist es geschrieben? Es ist für einen „wer immer du bist“, der oder die

  • 1. entschlossen ist, „ein vollkommener Jünger Christi zu sein, nicht nur in der aktiven Lebensform, sondern auf der höchsten Stufe des kontemplativen Lebens“, und
  • 2. sich bereits in einem „tugendhaften, aktiven Leben“ auf das kontemplative Leben vorbereitet hat.

Weiter unten wird auch – und das finde ich sehr spannend – als „Wunsch-Leser“, als „Wunsch-Leserin“ charakterisiert jemand, der im äusseren Leben aktiv und gleichzeitig eine Bereitschaft verspürt am „kontemplativen Geschehen teilzuhaben“ – und jetzt kommt’s – „zwar nicht auf die Dauer, wie es den eigentlichen Kontemplativen zukommt, sondern lediglich dann und wann.“

Also: „Die Wolke des Nichtwissens“ richtet sich nicht an Männer und Frauen in einer monastischen Lebensform in einem kontemplativen Orden (das wären dann wohl, so meine Vermutung, die „eigentlichen Kontemplativen“), sondern an Laienchristen als „uneigentliche Kontemplative“. Die „Wolke des Nichtwissens“ gehört denen, die in einem gewöhnlichen Alltagsleben stehen und doch „dann und wann“ eine kontemplative Innigkeit mit Gott erfahren.

Und das ist vielleicht ein Anknüpfungspunkt für eine Begründung, warum hier über diese anonyme Schrift aus dem 14. Jahrhundert gebloggt wird. Als ich den Prolog wieder las, dachte zuerst, dass es doch keine gute Idee ist: Nirgends wird so viel geplappert und geplaudert wie im Netz. Aber hoffen wir, dass die Notizen hier einigen Nutzen bringen. Und sei es, dass Menschen „Die Wolke des Nichtwissens“ nicht immer nur erwähnen, sondern auch wirklich lesen und verstehen versuchen, was der anonyme Lehrer sagen will.

Im nächsten Eintrag geht es um die ersten beiden Kapitel.

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neue termine und einladung zur lektüre der „wolke des nichtwissens“

Es gibt neue Termine! – Ausserdem muss endlich mal was getan werden, um auf diesen Blog mehr Inhalte rein zu bringen. Da ich erneut wieder die „Wolke des Nichtwissens“ lesen möchte, werde ich wöchentlich ein Kapitel (oder einige Kapitel) an dieser Stelle kommentieren. Wer mitlesen möchte: Ich habe in meinem Regal die von Wolfgang Riehle herausgegebene Ausgabe (Johannes Verlag) stehen, werde mir aber auch einmal die andere zulegen, um ein wenig vergleichen zu können.

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nächstes treffen

Nächstes Treffen ist am 29. November 2009 (Sonntag, 1. Advent) um 17.45 Uhr im Ansverus-Haus, Aumühle [bei Hamburg]. Bitte Kalender mitbringen, damit wir neue Termine verabreden können.

Eine Auflistung der Termine findet man hier.

lektüre der „wolke des nichtwissens“

Wöchentlich gibt es hier Einträge und Notizen zur "Wolke des Nichtwissens" ("The Cloud of Unknowing") - als Ermutigung, das Buch selbst einmal in die Hand zu nehmen und zu lesen.

about

Im Kontext des Alltags eine kontemplative Praxis pflegen - die Mitglieder der Gruppe [urban contemplatives], derzeit aus vier Personen bestehend, möchten sich gegenseitig darin unterstützen, was alleine nur mit grosser Mühe gelingt. Dazu treffen wir uns grob zweimal im Monat im Hamburger Raum zu kontemplativer Praxis (vornehmlich Sitz-Meditation). Die Idee ist, dass die Orte, wo wir uns treffen wechseln. Allerdings dient die Krypta des Ansverus-Hauses (Aumühle) vorerst als Basis.

Die Mitglieder der Gruppe haben ihre kontemplative Praxis aus verschiedenen Traditionen vermittelt bekommen, d.h. wir haben keine einheitliche "Methode".

Kontakt Frank:
frank.schirmer.hamburg[at]web.de
Kontakt Yotin:
beisasse[at]gmail.com

 

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