April 29, 2008

sitzen und bloggen und termine finden

So. Nun sind unsere Termine bis April “abgesessen” und wir haben noch keine neuen gemacht. Da wir im Mai selten gemeinsame Termine finden, können wir erst Ende Mai uns auf neue Termine bis zum Sommer verständigen.

Boah, ich hab mich die letzten Wochen gar nicht getraut auf dieses Blog zu gucken, weil es so unregelmässig geführt wird. Peinlich, peinlich. Es ist eben doch ein bisschen viel, zwei Blogs zu betreuen. Vielleicht sollte ich auf ein altbewährtes Mittel zurückgreifen, mit dem Blogger sich selbst dazu zwingen Inhalte zu generieren: Eine Serie machen. Bloss worüber? Eine Zusammenfassung der Wolke des Nichtwissens in Folgen? Kurzreferate zu Johannes vom Kreuz? Oder einfach nur youtube-Videos noch und nöcher hier rein hauen?

Übrigens haben wir in unserer Gruppe [urban contemplatives] nicht nur gemeinsam gesessen (auch wenn der oder die dritte im Bunde verhindert waren und man nur zu zweit war), sondern sind auch unsere eigenen Wege gegangen. CB war wieder bei ihren Schwestern in Tannenried und FS musste sich mal den Zen-Guru schlechthin (die Rede ist von Willigis Jäger) angucken. Ich selbst fahre in ein paar Tagen zu kontemplativen Exerzitien in Oberfranken, worauf ich gespannt bin und doch auch den Eindruck habe: Das könnte anstrengend werden und in Arbeit ausarten … Jaa! Sitzen ist Arbeit.

Bei all dem, was hier geschieht, unser Versuch, uns gegenseitig zu motivieren, dran zu bleiben und mal Termine zu schaffen oder eben zu verpassen oder zu verschieben - das geschieht in so einer Alltäglichkeit und es ist alles so … realistisch. So sind wir eng verbunden mit anderen, die sich im Alltag bemühen, das Sitzen-Üben einzubauen. So ist es eben.

März 29, 2008

slow (motion) food

Wenn man auch ab und zu sein formales Sitzen-Üben versäumt, so gibt es doch auch hier und da Möglichkeiten - man muss erfinderisch sein - um zur Praxis der Aufmerksamkeit für das, was ist, zu kommen.

Ich habe in den letzten zwei Wochen öfter mal alleine essen müssen. Wenn man allein lebt, kann es ja leicht passieren, dass man anfängt Essen für einen lästigen Vorgang zu halten. Ja, die Arbeit mag einen ablenken und gedanklich stark gefangen nehmen, aber kommt es zum Essen bemerkt der Wohnzimmer-Eremit die Leere und Langeweile. Besässe er einen Fernseher, würde er ihn zum Essen einschalten wollen.

Ein Vorschlag (für’s alleine Essen):

  • Das Essen so beginnen wie man sein Sitzen-Üben beginnt (einige gehen ihren Körper durch, manche berühren mit ihrer Stirn den Boden etc.) und dann für einige wirklich wenige aber intensive Atemzüge am Esstisch sitzen (was immer ihr beim Sitzen-Üben macht: euer Gebetswort sagen, den Namen Jesu beten, dem Atem folgen etc.).
  • Und dann Essen. Genauer: beim Kauen bleiben. Die Funktion, die der Atem bei eurem Sitzen-Üben hat, übernimmt hier die Kaubewegung. Als Konzentrationshilfe kann man zählen: zehnmal kauen, neunmal kauen, achtmal kauen, siebenmal kauen etc. bis ihr schluckt. Beim nächsten Mundvoll geht es wieder los: bis 10 zählen, dann bis 9 zählen, dann bis 8, bis 7 etc.
  • Das Essen so beenden wie ihr euer Sitzen-Üben beendet.

Für mich war das wirklich wichtig, auf diese Weise essen zu üben. Zuerst war es eine Massnahme, um dem Essen wieder seinen eigenen Wert zu geben, inzwischen kann ich es mir anders gar nicht mehr vorstellen.

Vielleicht helfen auch die “Fünf Betrachtungen vor dem Essen” (in der Tradition von Thich Nhat Hanh):

  • Diese Nahrung ist ein Geschenk des ganzen Universums und das Ergebnis von viel Liebe und Mühe.
  • Mögen wir dieses Geschenk in Achtsamkeit und Dankbarkeit empfangen.
  • Mögen wir uns unserer unheilsamen Geisteszustände (wie zum Beispiel Gier, Ablehnung, Ärger, Angst…) bewusst sein und uns bemühen, sie zu transformieren.
  • Mögen wir nur solche Nahrung zu uns nehmen, die uns nährt und unserer Gesundheit förderlich ist.
  • Wir nehmen diese Nahrung an, so dass wir den Pfad des Verstehens und der Liebe verwirklichen können.

Obwohl sie gedacht sind als Rezitation vor dem Essen, könnte doch auch nach jeder Betrachtung ein Mundvoll gekaut und gegessen werden, um so sein Essen rituell zu beginnen.

Februar 8, 2008

was demnächst auf dem gebetshocker geschieht

Ich finde das sehr ermutigend, wenn via Kommentar jemand Nettes sagt, dass er gespannt sei, was auf diesem Blog noch so passieren wird. Allerdings ist ja doch wohl eher die Frage, was denn so auf dem Gebetshocker passiert. Denn sonst gibt’s hier ja nichts zu berichten. Logisch. Aber auch wenn nichts passiert, kann man ja mal was schreiben. Also: Es ist unglaublich schwierig für mich, die ausgemachten Termine einzuhalten. Aber wir bleiben dran. Das ist der Anfang. Ohne diese Mühe kann es ja auch sonst nicht weiter gehen. Diese Mühe ist Bestandteil der Praxis.

Und das andere - die Frage nach Gemeinschafts- oder Einzel-Sitzer vom letzten Eintrag - werde ich auch noch einmal weiter reflektieren.

Januar 30, 2008

warum gibt es keine breite kontemplative laienbewegung?

Warum ist man eigentlich als in einer kontemplativen Praxis Engagierte/r eher ein Einzelner? So ist jedenfalls meine Wahrnehmung: Dass sich kontemplative Laien zu einer Gruppe zusammenfinden, die ein gewisses Mass an Verbindlichkeit hat, ist doch eher selten. Und mit diesem “gewissen Mass” meine ich, dass man auch ein Stück seines Alltags miteinander teilt - über ein wöchentliches Treffen zum gemeinsamen Sitzen hinaus. Die Leute wären dann miteinander befreundet.

Meistens ist es aber wohl so, dass solche Menschen kirchlich eingebunden sein mögen und vielleicht dann zusätzlich irgendwo einen Ort haben, wo man sich zur Sitz-Meditation trifft, oder so jemand macht das ganz allein für sich.

Vielleicht erfährt so jemand dann kontemplative Exerzitien in einem spirituellen Übungszentrum so intensiv, weil für die Zeit des Übens - ein Wochenende oder mehrere Tage - so etwas wie Gemeinschaft entsteht, eine Gemeinschaft von kontemplativen Laien. Wieder zu Hause ist man aber wieder vereinzelt und zerstreut.

Januar 10, 2008

this! is! so! boring!

Wie bleibt man für das Vorhaben motiviert, Sitz-Meditation in seinen Alltag einzubauen? Es ist eigentlich der Aspekt der Motivation - und so was wie eine freundschaftliche “Kontrolle” - was uns als Gruppe zusammen gebracht hat. Eine sehr einfache Weise gegenseitigen “Coachings” ist das. Was hilft sonst noch zum Motivieren? Vielleicht ein youtube-Video? Das kommt so schön “Sendung mit der Maus”-mässig rüber!

Januar 4, 2008

was ist so schlimm an guten vorsätzen?

Wisst ihr wie unangenehm das ist, wieder mal einen Blogeintrag zu schreiben, nachdem man so lange nichts mehr geschrieben hat? Also: Mir ist das unangenehm. Aber irgendwann muss man einfach wieder damit beginnen. So sind diese Sätze nunmehr der Anfang eines intensiven (klaro!) und regelmässigen (auf jeden Fall!) Bloggens zu dem, was wir als Laien-Kontemplative versuchen, ganz schlicht und im Rahmen unserer Möglichkeiten.

Ich gehöre zu den Leuten, die sich keine guten Vorsätze machen. Wie andere auch, habe ich erfahren, dass es frustrierend sein kann, wenn man sich unrealistische Vorhaben in Angriff nimmt. Und irgendwie neigen wir in mancher Hinsicht dazu, unsere Möglichkeiten zu überschätzen.

Trotz meiner Überheblichkeit den guten Vorsätzen gegenüber habe ich aber doch verstanden, was für eine gute Qualität es ist, überhaupt sich etwas zuzutrauen. Was liegt in einem neuen Schulheft oder in einem neuen Jahr oder an irgendeiner anderen Schwelle, dass wir auf einmal so mutig sind? Wo kommt auf einmal der Mut her, wieder neu zu beginnen? Das ist doch schön!

Diese Qualität sollten wir kultivieren. Und sie nicht nur für die grossen zeitlichen Schwellen - wie etwa ein neues Jahr - reservieren. Warum setzen wir diesen Mut zum Neubeginn nicht auch für jeden einzelnen Tag ein?

November 16, 2007

die wunder der urban-kontemplativen laien

Wir verdanken Gregor dem Grossen ein Lebensbild des heiligen Benedikts. Es ist Teil seiner Schrift “Dialoge über das Leben und die Wunder der italischen Väter”. Dabei war seine Motivation, zu zeigen, dass es nicht nur in der ägyptischen Wüste asketische heilige Männer gab, sondern auch in seiner eigenen Heimat. So wird es auch für uns Zeit, zu zeigen, dass es kontemplatives Leben gibt: nicht nur im “old monasticism”, sondern in unserer “Heimat”: der nach-konstantinischen Jetzt-Kultur.

Wer macht sich also daran, Lebensbilder der neuen Kontemplativen zu verfassen?

November 5, 2007

nächstes treffen

churchsign_treffen_nov_11.jpg

Wir treffen uns wieder zum “Sitzen” am 11. November (So) um 19 Uhr. Diesmal im Ansverus-Haus in Aumühle (Vor den Hegen 20).

Oktober 29, 2007

in der mitte des rades: im raum der stille, hamburg hbf

Ist das ein Sturm, der draussen tobt? Eine lautstarke Brandung? Bin ich hier drin auch sicher? Und komm ich hier auch wieder raus? Wo war ich nochmal? Mist, sollte ich jetzt nicht gerade eigentlich auf meinen Atem achten?

Gestern abend haben wir uns “zum Sitzen” getroffen, erstmalig im Raum der Stille im Hamburger Haubtbahnhof. Parallel zur Wandelhalle, “auf der anderen Seite”, verläuft der sogenannte Südsteg. Wenn man Richtung Mönckebergstrasse geht, könnte man, wenn man danach Ausschau hält, eine Glastür entdecken, die den Raum der Stille ausweist.

Man kommt in einen engen Vorraum und dann durch eine weitere Milchglas-Schiebetür zum eigentlichen Raum: schlichte Hocker findet man da und ein Bild aus gelben Platten. (Man kann auf dem unten verlinkten Flyer zwei Bilder sehen.)

In diesem Raum der Stille ist es nicht einfach von selbst still. Man kann durchaus immer noch ab und zu das Klacken von Schuhen hören. Und vor allem das Donnern der Züge unter einem, wie eine Brandung. Und auch anderes, was man überhaupt nicht einordnen kann.

Aber es hat unser schweigendes Gebet nicht gestört (zweimal 25 Minuten mit einer kurzen Pause zwischendurch). Es ist für mich - dieses Bild habe ich heute - eher so wie wenn man sich in einem ruhigen Mittelpunkt aufhält. Um einen herum ist Bewegung, ist ein ruheloses Vorüberziehen von Phänomenen, man selbst aber ruht in der Mitte des Rades, in einem “leeren” und flexiblen “Raum”.

Ich freue mich schon auf das nächste Mal, wenn wir wieder dort Sitz-Meditation üben.

Oktober 26, 2007

unser kontemplations-kurz-interview auf der strasse

Okay. Das stimmt nicht. Ich bin nicht mit so einem Puschelmikro die Mönckebergstrasse auf und abgegangen, und hab die “Leute wie du und ich” nach ihrer kontemplativen Praxis gefragt. Was folgt ist eher so was wie ein Revival der altbekannten Schulklassen-Freundschafts-Bücher, wo man noch offenbarte, was die Lieblingsfarbe oder das Lieblingsessen war. Und zwar hat Christina die Fragen beantwortet. Yotin

wie bist du eigentlich zum sitzen gekommen?
Weil zwei Bekannte unabhängig voneinander mir davon erzählten - das kann doch kein Zufall sein, dacht ich mir.

dein lieblings-sitz-platz?

Bis jetzt die Kapelle im Haus Tannenried, wer weiß, was wir jetzt mit den [urban contemplatives] noch entdecken.

hocker zum knien, kissen oder auf einem stuhl? lotussitz oder freestyle?

Bitte ein Kniebänkchen, nicht zu hoch und ein Kissen ode so was, um die Hände abzulegen.

mogens oder abends? täglich oder nur ab und zu?

Wenn täglich, dann morgens. Da das aber meist nicht gelingt, dann bei meinen Wochenenden im Ansverus-Haus oder Exerzitien zu jeder Tageszeit, nachdem ich einmal vernünftig ausgeschlafen habe. Keinesfalls nachts. Abends ist es immer schwierig.

wann ist sitzen am schönsten?
Wenn es nicht langweilig wird und wenn ich mich wie ein Klippdachs fühle.

wann ist es am schwierigsten?
Wenn ich müde bin.

deine lehrer/innen?
Die Begleiterinnen aus dem Haus Tannenried.

und was hat das alles mit beten/kirche/glaube zu tun?
Wie? Das ist doch beten schlechthin! Mit Kirche, nun man sollte meinen, Kirche ist eine Möglichkeit, Glaube zu leben und zu erfahren und das ist doch die Begegnung mit Gott. Kontemplation ist auch und direkt Begegnung mit Gott.

dein sitz-motto?
Mein Sitz Motto … muss man ein Motto haben? - Ich sitze eben und warte, was passiert …

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